Griechenland ist amüsant oder mein Besuch beim Fleischer

Oktober 18th, 2007

Ich will dann mal von meinem gestrigen “Besuch” beim Fleischer berichten. Besuch deshalb, weil ich nicht “eingekauft” habe, sondern wie ab und zu hingegangen bin, um mir Knochen und Fleischreste geben zu lassen, die ich dann zu Hundefutter und -leckerlis verabeite.Im Eingang standen eimerweise Weintrauben und anderes frisches Obst und Gemüse. Nachdem ich also meine Frage losgeworden war, ob der Fleischer “was für mich hätte”, was er mit “für dich immer” quittierte, setzte ich mich hin und fragte, was denn die ganzen Weintrauben da machen würden, ob er jetzt auch unter die Gemüsehändler gegangen wäre. Irgendwie bekam ich die Antwort nicht mit, aber meine Frage hatte zur Folge, dass plötzlich ein Kochtopf mit frischen, unglaublich leckeren und süßen Paros-Weintrauben vor mir stand, die ich dann essen durfte (musste). Was ich natürlich auch sehr gern tat. Der Fleischer amüsierte sich köstlich darüber, dass ich die Kerne nicht schlucken mag. “Die schluckt man runter.” sagte er, worauf ich fragte “mit oder ohne Kauen?” und er köstlich amüsiert antwortete “natürlich ohne Kauen!”. Ich habe das Problem sonst nicht, weil ich immer Weintrauben ohne Kerne kaufe.

Er fragte mich, ob ich einen Kaffee wollte, den ich dankend ablehnte mit der Begründung, ich wollte meinen Kaffeekonsum reduzieren. “Wieso, ist Kaffee schlecht?” fragte er, woraufhin ich entgegnete, dass es wohl auf die Mengen ankäme und ich sehr viel Kaffee trinken würde. Ob ich frühstücken würde, fragte er. Nein, sagte ich, und er hielt mir einen Vortrag darüber, dass Frühstück die wichtigste Mahlzeit sei und ich sie bloß nicht ausfallen lassen dürfte. Er kann nicht wissen, dass ich gerade aufgrund dieses Buches Potatoes Not Prozac: How to Control Depression, Food Cravings and Weight Gain beschlossen habe, mich zum Frühstücken zu zwingen. Aber das nur nebenbei bemerkt.

Jedenfalls fällt meine Aufmerksamkeit bald wieder auf die Eimer mit Obst und Gemüse, als ein typischer alter Bauer, sehr groß und hager, hereinkommt und ohne weiter etwas zu sagen, seine Ernte auf der Fleischerwaage abwiegt und vor sich hinmurmelt (vermutlich um sich die Gewichte zu merken, sage ich mir). Ich will gerade nachhaken, als ein Kunde hereinkommt, um tatsächlich etwas zu kaufen.

Er sagt zum Fleischer “ich komme um meine Bestellung abzuholen”. Da der Fleischer ihn mit großen, ratlosen Augen anschaut sagt er “ach, hat meine Frau wieder vergessen, anzurufen?”. “Hm, deine Frau hat nicht angerufen, nein, aber sag mir, was du willst.” Während die vergessene Bestellung fertig gemacht wird klingelt das Telefon und der Fleischer sagt zu dem Kunden “geh du doch mal eben ran”. Sagt er “vielleicht ist es ja meine Frau” und hebt ab. Ich amüsiere mich köstlich darüber, wie überrascht die Ehefrau sein muss, als sie hört “na, das fällt dir aber früh ein!” und sich sicherlich wundert, ob das der Fleischer ist und warum der so mit ihr redet, oder, wenn sie ihren Mann sofort erkennt, warum der denn ans Telefon geht.

In der Zwischenzeit ist der Bauer weiterhin emsig am Wiegen und Murmeln. Als kurz danach alle wieder weg sind und der Fleischer wieder dabei ist, mir Knochen abzusäbeln, frage ich ihn endlich, was der Bauer nun mit dem Gemüse macht. Da sagt er, das wäre sein Schwiegervater und die Sachen wären Hauslieferungen. Aha. Das gibt es also auch. Ein Bring-Dienst für Obst und Gemüse, frisch vom Feld!

So, dann bin ich fertig und verabschiede mich mit 10kg Fleischresten und einem Kilo geschenkten Weintrauben mit den Worten “nächstes Mal kaufe ich auch was”… und freue mich mal wieder, dass ich in Griechenland leben darf!

1 Comment(s)

  1. Kommentar von Dagmar on 31. Mai 2008 02:20

    auch wir gehen zum metzger, der hierzulande meist gkeichzeitig supermarkt, taverne, etc., in einem ist, um unser frisches fleisch (nicht nur für die Hundis) einzukaufen. wenn wir uns nun ein frisches hendl (hochdeutsch: huhn) einbilden, haben wir immer mühe, den metzger davon abzuhalten, die flügel abzuhacken und durch die offene ladentür für die katzen auf die straße hinauszuwerfen. wir lieben nun mal auch chicken wings…

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